23.09.2015 16:14 Age: 4 yrs

Törnbericht: „Zweihand“ auf Siziliens Inselwelt

Mit einer Sun Odyssey 33i zuzweit in der Tyrrhenische See auf den Liparischen Inseln


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10. September Flug Wien - Palermo 11. September Stadtbesichtigung Palermo

Die Reise ging mit der Alitalia von Wien über Rom nach Palermo, mit rund 70 Kg Gepäck eine durchaus anstrengende Sache. Es musste neben der notwendigen Bekleidung ja auch noch Schwimmwesten und die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände mitgenommen werden. Am Anreisetag wurde nach dem Bezug des Hotels natürlich der Stadthafen aufgesucht und bereits sizilianische, nautische Luft geschnuppert. Nach einem Abendessen am Hafen waren wir froh ins Bett zu kommen.
Am zweiten Tag in Palermo machten wir eine ausgiebige Stadtbesichtigung. Palermo ist eine umtriebige, geschäftige Stadt mit vielen kulturellen Einflüssen. Die normannische Vergangenheit ist ebenso präsent, wie die arabisch kulturellen Züge, aber das südländisch italienische Lebensgefühl durchdringt alles.
Am Abend „suchten“ wir die Marina, nun es war keine richtige Marina, mehr ein Schwimmsteg mit einer kleinen Werkstätte, Büro und einem kombinierten WC mit Dusche. Das ganze befand sich in einem kleinen Eck im Werftgelände des Hafen von Palermo, das kaum zu finden und umständlich zu erreichen war. Doch unser Schiff war da und die Crew, die damit unterwegs war berichtete, dass das Schiff sehr gut sei und es keine gravierenden Probleme damit gab.

12. – 13. September Tour: Palermo – Salina 76 NM Zeit: 15h 19min

Da sich die Schiffsübergabe hinzog (um 14 Uhr war uns das Schiff versprochen) und wir erst um 16 Uhr aus dem Hafen Palermo kamen, war die erste Variante Palermo – Cefalu hinfällig und Variante 2 mit der Nachtfahrt immer wahrscheinlicher. Da wir bei Variante 1 in Cefalu erst um 22 Uhr angekommen wären, nichts von der Stadt sehen hätten können und wir dann erst recht den ganzen Tag verloren hätten, stand vor der Abfahrt fest, dass wir eine Nachtfahrt einlegen werden.
Also nahmen wir Kurs auf SALINA. Laut Berechnung 15 Stunden und 19 Minuten – Ankunft am nächsten Morgen um 07:15 Uhr. Die Nachtfahrt wurde sorgfältig vorbereitet – alle Navigationseinrichtungen montiert (I-Pad, Plotter, Karten Kladde, Lichterverzeichnis etc.) und eingestellt, der Kurs auf der Karte gezeichnet und in einer Kladde der geplante Weg festgeschrieben, Schwimmwesten rauf, und die Nacht konnte kommen.
Mit ca. 2200 U/min und rund 5 Kn Geschwindigkeit über Grund, also maschinenschonend, cruisten wir in den Sonnenuntergang. Kaum war die Sonne weg wurde es schnell dunkel. Über uns leuchteten die Sterne in einer Vielfalt, wie man sie nur über dem Meer sehen kann und unter uns leuchteten die tausenden Planktonpartikel, die durch die Schiffsschraube angetrieben, glitzernd ihren Tanz aufführten.
Mit Kurs 074° und 5kn Geschwindigkeit absolvierten wir Seemeile um Seemeile. Mehrere Schiffe waren im Golf von Sizilien auszumachen und schon bald begleitete uns das Leuchtfeuer von Cefalu, das mit einer Reichweite von 25 NM, weithin sichtbar war.
Nach 6 Stunden 20 min um 21:20 Uhr machten wir achteraus ein großes Frachtschiff aus – es war länger als 50 m und hatte den gleichen Kurs wie wir. Als es immer näher kam und es für uns den Anschein hatte, dass es den Kurs so beibehält, legten wir hart steuerbord Ruder, um dem Stärkeren nachzugeben. Nach einiger Zeit machte der Frachter den gleichen Kurswechsel – wir kamen uns verfolgt vor. Da nun erneut „Besuch über die Badeleiter“ nur eine Frage der Zeit war (Entfernung ca. 0,5 NM), legten wir erneut hart Ruder – dieses Mal backbord. Dieses Manöver dürfte dem Navigator des Frachtschiffes dann auch nicht verborgen geblieben sein, denn mit seinen starken Scheinwerfern gab er das Lichtzeichen, dass er steuerbord überholen werde (lang – lang – kurz). Schließlich nahm der Frachter Kurs auf Cefalu und wir wieder auf Salina. Mit Autopilot auf Kurs gönnten wir uns abwechselnd kurze Schlaf/Ruhepausen – meine Co-Skipperin machte ihre Aufgebe gut und weckte mich, wenn sie irgendetwas Auffälliges erspähte. Einige Fischerboote kreuzten unseren Kurs – da es sich um Schleppnetzfischer handelte, machten wir einen großen Bogen um diese. Nach 13,5 Stunden begann die Morgendämmerung und vorbei an Filicudi sahen wir Salina und Lipari vor uns. Nach einem gemütlichen Anlegemanöver fielen wir nach einer erfrischenden Morgendusche ins Bett. Nach zwei Stunden erholsamen Schlaf, mieteten wir uns direkt am Hafen ein Moped und erkundeten bis in die späten Nachtstunden die Insel und genossen ihre Sehenswürdigkeiten und Kulinarik.

14. September Salina – Stromboli - Panarea 32,85 NM Zeit: 6h 25min 

Nach einem eindrucksvollen Tag, brachten wir am nächsten Morgen noch schnell unser Mofa zurück und erledigten einige Einkäufe – unter anderem schauten wir auch bei einem Fischer vorbei, der seinen Fang der vorigen Nacht präsentierte. Meinem hedonistischen Auge entging nicht, dass in einem kleinen Becken frische Vongole (Venusmuscheln) feilgeboten wurden. Selbstverständlich mussten rund drei Dutzend dieser herrlichen Meeresfrüchte mit an Bord. Nach dem Ablegen Richtung STROMBOLI unter geringer nautischen Herausforderung (es war lediglich ein Strich mit 44° auf der Karte zu ziehen), machten wir uns Gedanken, ob wir nicht die Segel hissen sollten und dies obwohl der Wind zu wünschen übrig ließ. Also kurz entschlossen setzten wir die Segel und bei „steifen“ 8 kn Wind, gab es für meine Co-Skipperin eine intensive Einschulung zur Segeltechnik.

Es stellte sich heraus, dass das Setzen der Segeln aus den Lazybags, das Herausziehen des Lattengroß, die doppelläufige Großschot und die kleinen Wehwehchen (ausgerissener Schekel beim Baumniederholer) dann doch die lange Strecke etwas kurzweiliger machten. Nach ca. zwei Stunden entschieden wir uns die Segel wieder einzuholen und die Fahrt unter Motor fortzusetzen, denn aufgrund der Strömung machten wir kaum noch Fahrt. Dem Vulkan Stromboli immer näher kommend, verfolgten wir, die in ca. 20 minütigen Abständen wiederkehrenden Eruptionen. Dort angekommen, ließen wir das Schauspiel aus wenigen hundert Metern Entfernung auf uns wirkten und waren fasziniert, wie die Naturgewalten diesen Berg bzw. diese Insel geformt hatten.
Nach einiger Zeit entschlossen wir uns aufgrund mangelnder Ankermöglichkeiten anstatt vor Stromboli zu übernachten, die Insel PANEREA anzulaufen, um tags darauf genügend Zeit zu haben Vulcano und Lipari zu besuchen. In Panerea an einer Boje festgemacht, gab es dann leckere Penne di Vongole und nach einem Schlummertrunk träumten wir von den Eindrücke der vergangenen Tage. 

15. September Panarea – Vulcano – Lipari 17,3 NM Zeit: 3h 27min

Durch ein lautes Motorengeräusch aus dem Schlaf gerissen, war dann auch für meine Co-Skipperin die Nacht vorbei, denn ich machte meine Drohung wahr und startete um 6:30 Uhr die Maschine, um Richtung Vulcano abzulegen.
VULCANO war, wie bereits bei der Törnplanung festgelegt, nur einen Kurzaufenthalt wert, der dennoch faszinierte. Die blubbernde, brodelnde Unterwasserwelt Vulcanos, schnorchelnd erkundet, wird uns unvergesslich bleiben. Nach einer Überfahrt von 45 Minuten legten wir planmäßig in LIPARI an. Lipari ist die Hauptinsel auf dem Archipel, es war der Rückzugsort der Sizilianer während gefürchtete Kriege auf der Hauptinsel tobten. Beeinflusst von den Griechen und Normannen ist Lipari für seine Keramikkunst bekannt. Auch hier organisierten wir uns ein Moped und machten die Insel unsicher – schwarze Vulkangesteinsstrände, weißer Bimsstein und ein umtriebiges Zentrum mit seinen Geschäften wird uns in Erinnerung bleiben. Gemütlich beim Abendessen sitzend, berieten wir welches Ziel wir am nächsten Morgen ansteuern sollten, ob es Capo d´Orlando oder doch etwas weiter unserem Heimathafen entgegen, Sant´Agata die Militello sein sollte.

16. September Lipari – Sant´Agata di Militello 29,44 NM Zeit: 5h 52min

Da wir ohnehin einen Ruhetag eingeplant hatten, wurde es Sant´Agata die Militello. Um 7.00 Uhr liefen wir aus Lipari aus und steuerten die Durchfahrt zwischen Vulkano und Lipari an. Direkt vor den markanten Felsen ankerten wir in der Bucht Crapazza und nahmen unser Frühstück ein. Danach legten wir Kurs auf Sant´ Agata di Militello an - ein großer Schlag von nahezu sechs Stunden. Auf der Überfahrt begegneten uns Fährschiffe, Fischer und wir sahen fliegende Fische, es ist aufregend die kleinen Flitzer über die glatte See ziehen zu sehen. Vor der Nordküste von Sizilien lud der seit Tagen nur dürftige Wind plötzlich wieder einmal zum Segeln ein. Diese Einladung nahmen wir prompt an und ließen uns mit einem Am Windkurs immerhin 6 Kn schnell ziehen. Nach einer knappen Stunde war die Segelfreude aber auch schon wieder vorbei – Flaute.
St. Agata di Militello hat ein riesiges Hafen/Marinabecken, das jedoch in der Einfahrt versandet ist. Die unscheinbare Einfahrts- Lateralzeichen waren eine alte rote Spitzboje und ein schwarzer Kanister. Die Verwirrung war komplett – die rote Spitzboje stand backbord „rot und spitz?“– die Tonne steuerbord war schwarz und stumpf, eigentlich eher ein Kanister? Die Spitzboje sollte doch grün also steuerbord und die Tonne stumpf sollte rot also backbord sein – was soll`s, mit Schneckentempo die Boje auf der Hafenseite eng genommen, hatten wir immerhin einen Meter Wasser unter dem Kiel.
Der Marinero war freundlich und sein Angebot eines Pizza-Services nahmen wir gerne an. Wir machten es uns an diesem Abend auf unserem Schiff gemütlich und rekapitulierten das Erlebte bei Pizza und Rotwein.

17. September Sant´Agata di Militello – Cefalu´ 28,00 NM Zeit: 5h 36min

Wie schon gewohnt, legten wir wieder sehr zeitig in der Früh ab. Unser System möglichst zeitig aufzubrechen, um am Zielort mehr Zeit zu haben, um etwas zu unternehmen, ging voll auf. Also steuerten wir, entlang der Küste vorbei an aufregen-den Landschaften und antiken Städten den berühmten Felsen von CEFALU´ an. In der Bucht, direkt vor der Stadt Cefalu´, ließen wir den Anker fallen, mit dem Dinghi erreichten wir trockenen Fußes die Mole und danach erkundeten wir die Stadt. Mit ihren engen Gassen und imposanten Bauten war Cefalu´ die Stadt der Normannenkönige und der kirchlichen Eliten. In der Blütezeit Siziliens auch eines der Zentren der Insel sowie Bischofssitz. Die Nacht auf dem Boot war aufgrund der vielen Lokale und Discos in Küstennähe laut. Nautisch gesehen aber sehr ruhig, dennoch wurde mehrmals während der Nacht der Anker bzw. die Position kontrolliert.

18. September Cefalu´ - Palermo 31,30 NM Zeit: 6h 15min

Am nächsten Morgen war unser letzter Tag auf See angebrochen. Bei der Fahrt entlang der Küste packten wir unser Taschen und realisierten langsam, dass diese Reise, die wir im Winter 2014/2015 geplant hatten, nun bald vorbei war und mit Wehmut dachten wir daran, was wir alles erleben durften – eine aufregende Nachtfahrt, beeindruckende Inseln, einen aktiven Vulkan, fliegende Fische, die scheinbar schwerelos meterweit über dem Wasser schweben, herrliche Speisen.... 
Adieu du schöne Inselwelt Siziliens, wer weiß ob wir uns je wiedersehen …….
Ein Bericht von Rene Wunderl


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